Mini Transat 2015 · Dominik Lenk

2. Platz in erster Qualifikationsregatta

Das AIR Valencia sollte lediglich die erste Qualifikationsregatta für das große Ziel, den Mini Transat, nächstes Jahr werden. Am Ende kam ein zweiter Platz dabei raus; gegen modernere Boote und erfahrenere Skipper.

Der gut 300 Seemeilen lange Kurs führte von Valencia um die Islas Columbretes vor Oropesa nach Ibiza und Formentera und wieder zurück nach Valencia. Die Wettervorhersage war etwas undurchsichtig—ein großes Gewittergebiet war zwar im Anmarsch, sollte sich aber nördlich von uns austoben.

Ein paar Stunden nach dem Start lagen alle noch dicht beieinander. Zwei modernen Protos lieferten sich ein Drag Race in Luv, der Rest der Flotte lag kurz hinter mir. Die Höhe, die die beiden segelten konnte ich leider nicht halten. Zumindest nicht mit der gleichen Geschwindigkeit.

Kurz vor den Columbretes erspähte ich zwei gute Dreher und konnte mich wieder an die beiden Spitzenboote heran kämpfen. Inzwischen war es zwar dunkel, doch ein Gewitter ein paar Meilen nördlich machte jede Taschenlampe überflüssig.

Ich hatte nach der ersten Wende versucht für 10 Minuten zu schlafen, was natürlich nicht klappte. Zu früh, zu viel Adrenalin. Jetzt wurde ich wirklich langsam müde, doch die Blitze, die beharrlich am Horizont ins Wasser einschlugen, machten mir klar, dass dies gerade gar keine gute Idee war.

Mittlerweile war es fast windstill und ich kam einfach nicht von den gerade gerundeten Inseln oder dem Gewitter weg. Währenddessen entfernten sich die Toplichter der führenden Boote immer weiter …

Kurz nach dem Start in Valencia

Sobald der Wind wieder einfüllte, ging es mit ordentlich Speed weiter Richtung Ibiza: Power Reaching—Kleine Segel, schön weit gefiert. Insgesamt ein extrem nasser Kurs. Ich vermutete, dass ich auf dem dritten Platz lag. Ab und zu tauchte in Lee ein anderer Mini auf, welcher genau, konnte ich aber nicht erkennen.

Kurz vor Tagomago holte mich das Gewitter ein, dass mich die letzten 12 Stunden vor sich her geschoben hat. Ich habe noch nie so viel Regen gesehen! 3 Meter hohe Wellen wurden innerhalb von Minuten geglättet; Ibiza, gerade noch ein paar hundert Meter entfernt, verschwand hinter einem Vorhang aus Wasser. Ich entschied mich den Spinnaker nicht zu setzen und halste von der Küste weg—ich wusste nämlich nicht mehr, wohin die Steilküste, gerade noch neben mir, verschwunden war.

Einen anderen Mini erwischte es in dem gleichen Schauer: Eine Wante riss und der Mast brach. Eines der zwei Supportboote der Regatta schleppte ihn in einen Hafen auf Ibiza.

Das Gewitter zog durch, der Wind lies nach, bis es zur Abwechslung mal wieder gar keinen Wind hatte. Kurz nach Sonnenuntergang rutschte ich gerade so an Formenterra vorbei und hangelte mich durch die Nacht vorbei an Ibiza. Am Horizont blitze es wieder, doch die Windausbeute war eher mau.

Mitten in der Nacht zingelten mich (neue) Gewitter ein. Im Westen und im Norden schlugen die Blitze im Wasser ein, im Osten war Ibiza und nach Süden wollte nun wirklich nicht—aus der Richtung kam ich ja. Währenddessen kämpfte ich mit Welle und (nicht vorhandenen) Wind und versuchte dem Boot die Pirouetten auszureden. Ich suchte mir eine Gewitterwolke aus, die ungefähr in der richtigen Richtung lag und unter der ich länger keine Blitze gesehen hatte und versuche mein Glück.

Zwar roch es unter der Wolke eindeutig angebrannt, doch ich kam unbeschadet hindurch. Das Wolkenmänover sorgte dafür, dass ich auf die Küstenseite der Gewitterknäuls gelangte und der Wind langsam wieder einfüllte. Alle nächtlichen Wenden zwischen den Gewitterzentren und der anschließende Durchstich bauten meinen Vorsprung auf das nächste Boot auf ungefähr 10 Seemeilen aus.

Diesen Vorsprung vergeigte ich fast auf den letzten Meilen. Valencia war 6 Seemeilen entfernt, ich konnte die Bocadillos schon riechen und schoss allem freudig unter Spinnaker entgegen, als ein großes, schwarzes Etwas gegen den Wind auf mich zurollte. In weiser Voraussicht, nahm ich den Spi nach unten.

Noch während ich im Cockpit das Segeltuch zusammenklaubte, segelte das Boot unter Autopilot einen 360° Kreis. Allerdings ohne zu wenden oder zu halsen!

2 Sekunden (Wind)Stille. Danach schlug die Böenfront ein. Von 13 auf 0 auf 42 Knoten innerhalb von Sekunden. Der Mast befand sich im Wasser, ich verkeilte mich im Cockpit und lugte über die Bordwand um zu zusehen wie der Kiel aus dem Wasser gehoben wurde. Knockdown!

Ähnliches hatte ich schon in der ersten Nacht nach den Columbretes erlebt, allerdings lange nicht so extrem. Segel fieren reichte hier nicht mehr aus. Sturmfock und das dritte Reff war angesagt. Ich zog nach unten, was sich nach unten ziehen ließ. Blöderweise war der Spuk direkt danach wieder vorbei und das Großsegel lies sich, seitwärts treibend, bei weitem nicht genauso einfach wieder hochziehen. Alles in allem kostete mich die Wolke eine Stunde.

Kurz vor Sonnenuntergang kam in Valencia an. Das Motorboot, dass mich nach dem Zieldurchgang in den Hafen schleppen sollte war nicht da. Ich vermutete, dass gerade ein anderer Mini geschleppt wurde und segelte alleine weiter in den Hafen. „Schade“, dachte ich, „sind wohl doch schon ein paar angekommen.“ Ich rechnete mir einen vierten oder fünften Platz aus, vor allem nach meinem Fiasko kurz vor dem Ziel.

In Wirklichkeit wurde ich einfach später erwartet: Mein ungeplanter Stop vor der Küste hatte meine Durchschnittsgeschwindigkeit ordentlich nach unten korrigiert. Das Motorboot kam mir ein paar Minuten später entgegen, nahm mich an den Haken und teilte mir mit, dass ich den zweiten Platz ergattert hatte.

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Bilanz: Hervorragend! Die Boote vor und hinter mir waren 10 Jahre neuer, die meisten Skipper hatten deutlich mehr Mini Erfahrung. Leider wird es deutlich schwieriger die Leistung in Barcelona zu wiederholen—der Kurs ist weniger taktisch und setzt viel mehr auf pure Bootsgeschwindigkeit. Trotzdem weiß ich jetzt, dass das Potential da ist. Weiter gehts …