Mini Transat 2015 · Dominik Lenk

2015 Mini en Mai

Den Tracker für das 2015 Mini en Mai findet Ihr hier: http://www.snt-regate.org/cartographie-yb

Direkt nach dem Start der zweiten Etappe

Das Mini en Mai ist die letzte Regatta, die ich für eine erfolgreiche Qualifikation für den Mini Transat benötige. Geplant waren 500 Meilen an der französischen Küste. Letztendlich wurden daraus nur 240 Meilen. Ein Sturmtief sollte genau zu dem Zeitpunkt auf das Festland einschlagen, in dem die Flotte das Raz de Seine passieren würde. 40 Knoten Wind gegen 6 Knoten Strömung am “Kap Horn Europas” ist etwas zu viel des Guten.

Also starteten wir statt des eigentlichen Rennens nur einen kurzen Sprint in der Bucht von Quiberon. Nicht nur der schlechten Wettervorhersage war ich darüber auch ganz froh: Ich hatte meinen neuen Wanten erst wenige Tage vorher fertig gebaut und war mir sicher, dass die Spleiße noch ein wenig recken würden. Der Küstensprint erlaubte mir meinen Mast nach 40 Meilen noch einmal nachzustellen.

Auch hatte ich meine Ruder über den Winter abgebaut, um das Antifouling zu erneuen. Beim Anbauen hatte ich dementsprechend viel Zeit damit verbracht beide Ruder parallel zueinander einzustellen, leider jedoch vergessen den Rudersensor (für den Autopiloten) erneut zu kalibrieren. Als ich den Autopiloten zum ersten Mal einschaltete, um den Code 0 für die nächsten 2 Meilen durch die Teignouse vorzubereiten, bog das Schiff prompt nach rechts ab.

Nach einem gutem Start verlor ich so relativ schnell viele Meter auf die ersten Protos. Zeit für einen Testschlag vor dem Rennen hatte ich leider nicht—Kiel einsetzten, die Fahrt nach Frankreich, Boot aufbauen, das alles war wohl etwas knapp kalkuliert.

Kurz vor dem Rausschleppen …

Zwei Tage später startete das eigentliche Rennen. Inzwischen wurde der Kurs abgekürzt; von La Trinité einmal um die Ile de Ré und zurück. Meine Ruder hatte ich neu ausgerichtet, alle Wanten wieder gespannt und startete mit etwa einer Stunde Rückstand in zweite Etappe. (Ein gestaffelter Start: Die ersten der ersten Etappe durften auch die zweite Etappe zuerst starten.)

Vor dem Hafen wurde sehr schnell deutlich, dass die zwei Reffs, die die Wettfahrtleitung empfohlen hatte, mehr als angebracht waren. Der Code 0, den der Großteil der Flotte trotzdem vorbereitet hatte, war dafür reines Wunschdenken. 35 Knoten, Halbwind, große Wellen. Sehr naß, sehr bockig aber spektakulär.

Also Kiel nach Luv kurbeln und den gesamten Inhalt des Bootes auf die hohe Kante stacken. Nicht zu früh ausreffen, dafür aber trimmen und jede Welle für einen kleinen Surf ausnutzen. Noch bevor wir die Bucht von Quiberon verlassen hatten, hatte ich bereits 3 Boote eingeholt. Im Laufe der nächsten Nacht wurden daraus 8.

Der Wind ließ nach. Allerdings hatte ich Glück, denn ich war wahrscheinlich eines der letzten Boote, dass genau wie die Führenden ohne zu kreuzen das Rochebonne Platteau runden konnte. Danach war Flaute angesagt.

Obwohl die Windgeschwindigkeit inzwischen über 30 Knoten gefallen war, stimmte mein Trimm immer noch. Unter Code 0 driftete ich an einem weiteren Boot vorbei, das nächste holte ich sprichwörtlich im Schlaf ein. Bloß nichts verändern dachte ich mir und legte mich abermals für 15 Minuten im Cockpit auf’s Ohr.

Bei der Umrundung der Ile de Ré machte ich den Fehler zu viel auf die Flut zu setzten, die mich innerhalb der nächsten Stunde durch die Lücke zwischen der Ile de Ré und der Ile Oléron drücken würde. Die Zeit, die ich benötigte, um in die Mitte des Kanals zu kommen war dies nicht wert. Alle die sich direkt an der Küste um die Insel schlängelten gewannen hier deutlich Meter.

Kurz vor der Brücke der Ile de Ré dann wieder das charakteristische Piepen als mein Autopilot ausfiel. Also sprang ich unter Deck und tauschte Sicherungen aus, wie schon beim Mini Barcelona letztes Jahr. Zum funktionieren bekam ihn leider nicht mehr.

Von La Rochelle bis Les Sables d’Olonne ging es unter Spinnaker weiter. Irgendwo vor der Ile d’Yeu nahm ich diesen dann herunter. Der Wind starb und im letzten Licht des Tages sah ich eine große dunkle Wolke, die vielleicht ziemlich plötzlich Wind aus dem Westen bringen könnte. So zumindest war die Wettervorhersage.

Ohne Autopilot und ziemlich übermüdet war es mir wichtiger das Rennen zu beenden als jetzt noch ein paar Mal mit dem Mast das Wasser zu küssen. Denn, die Meilen brauchte ich für eine erfolgreiche Transat Qualifikation.

In dieser Nacht wurde ich so ziemlich von allen Booten wieder eingeholt, die ich vorher selbst eingeholt hatte. Sich übermüdet ohne Schlaf und ohne Autopilot im Kreis zu drehen ist eine ganz besondere Art der Hölle. Auch das letzte Stück zurück nach La Trinité war keine Glanzleistung, denn immer wieder ertappte ich mich dabei einen Kurs zu steuern der mindestens 30° vom Richtigen abweichte.

Auf mein Resultat beim Mini en Mai kann ich also nicht besonders stolz sein. Aber, es geht auch anders, denn die Geschwindigkeit stimmt, vorausgesetzt alles funktioniert und ich mache keine navigatorischen Fehler. Und viel wichtiger, alle Meilen für den Transat sind im im Kasten. Lediglich die 1000 Meilen Solo Qualifikation stand noch an, auf die ich zwei Tage nach dem Mini en Mai aufbrechen wollte.