Mini Transat 2015 · Dominik Lenk

⅓ Segeln, ⅔ Basteln

Nach 3 Monaten auf der 348 merke ich, dass es stimmt, was sie über Minis sagen: Zwei Drittel der Zeit tüftelt und repariert man, ein Drittel der Zeit segelt man. Wenn überhaupt.

Zwar hat das Boot glücklicherweise keine Kinderkrankheiten mehr, doch gibt es auf einem Mini nichts, was nicht verstellt werden kann und dafür benötigt man selbst auf einem Gebrauchtboot Zeit.

Kleines Beispiel: Normalerweise kann man einen Mast mit Wantenspannern—Schrauben, die nach und nach eingedreht werden—auf Spannung bringen. Auf einem Mini gibt das nicht: Metalteile sind zu schwer und werden verpönt. Es gibt lediglich eine Talje pro Stag. Anziehen tut man diese mit dem Fuß und seinem ganzen Gewicht. Das spart Gewicht, ist aber deutlich gröber und dauert seine Zeit.

Der Kiel und die Ruder erstrahlen jetzt in Rot. Der Grund für die Signalfarbe ist die Helikopterrettung, falls es dazu kommen sollte.
Und wieder rein …

Vor zwei Wochen musste ich feststellen, dass das französische Antifouling sich nicht mit der Ostsee verträgt. Ein glatter Rumpf hat logischerweise weniger Widerstand und segelt schneller. Meiner war weder glatt noch schnell. Nach einem Tauchgang machten mir Schürfwunden an Armen und Beinen auf die harte Tour klar, dass ich „ein, zwei“ Muscheln durch die große, weite Welt fuhr. Also raus aus dem Wasser und ran ans Schleifpapier: 100, 150, 240, 360, 1000 … Drei durchgeschliffene und gestrichene Nächte später ist der Rumpf wieder glatt. Aalglatt.

Und so gibt es immer etwas was verbessert, repariert oder getüftelt werden kann. Manchmal geht es glücklicherweise auch ein bisschen schneller. Wie zum Beispiel die Neuprogrammierung der Bootskennung in Funke und AIS. Der Deutsche Händler wollte, dass ich das Gerät einschicke, um es anschließend an die Fabrik in Frankreich weiter zu leiten. Zeitaufwand: 3 bis 4 Wochen. Der Französische Techniker meinte nur: „I want you Germans to stop sending me shit,“ und gab mir eine Tastenkombination am Telefon. Zeitaufwand: 2 Minuten.

Inzwischen habe ich das Boot mindestens einmal komplett auseinander genommen und wieder zusammen gebaut. Nur die Elektronik fehlt noch, vor der ich ehrlich gesagt auch gehörigen Respekt habe. Das werde ich wohl im Winter nachholen.

Es sind jetzt noch 4 Wochen bis zur ersten Regatta ab Malmø. Bis dahin gilt es das Boot weiter zu erforschen. Leider fehlten mir bis jetzt die Starkwindtage zum trainieren, ansonsten habe ich das Boot ganz gut unter Kontrolle. Doch natürlich geht es immer noch ein bisschen besser, geschmeidiger, schneller …