Mini Transat 2015 · Dominik Lenk

Mini Barcelona 2014

Der Start war am 17. Oktober um 13:00. Der Rennverlauf im Tracking

Das Mini Barcelona ist das letzte Qualifikationsrennen dieses Jahr. Nach dem 2. Platz beim AIR Valencia weiß ich, dass es möglich ist auch mit einem älterem Boot vorne mit zu segeln, solange man taktisch fit ist und Fehler vermeidet. Doch das Rennen besticht durch seine Einfachheit: 130 Seemeilen nach Menorca, 130 Seemeilen zurück nach Barcelona. Zwei gerade Strecken auf denen nur eines zählt: Geschwindigkeit. Damit sollte eine gute Platzierung hier ungleich schwieriger werden.

Nach einem kurzen Schlag nach Süden wendeten wir Richtung Menorca. Ich lag zu diesem Zeitpunkt auf Platz 3 und konnte die zwei Führenden vor mir sehen. Ich wusste, dass ich bedingt durch meine Rumpfform und mein einzelnes, statt doppelt ausgeführtes, Steckschwert auf diesem Kurs einen Nachteil hatte, doch solange ich den Sichtkontakt hielt, war alles OK.

Flautenfest kurz nach dem Start

Der Nachteil wurde größer, je mehr der Wind drehte und wir unter Code 0—ein übergroßes sehr flachgeschnittenes extra Vorsegel—in die Nacht hinein pflügten. Hier zeigte sich deutlich, dass meine runde, statt eckige Rumpfform (sogenannte Chines ) einfach nicht genügend Kraft entwickeln konnte, um das Boot anzutreiben. Der Vorsprung der zwei Führenden wuchs.

Nach einer Weile an Bord von Minis lernt man jede Art von Alarm kennen. Das sehr, sehr laute Heulen, dass einen nach 15 Minuten Schlaf wieder weckt; leises aber beständiges Tuten, wenn das Funkgerät keinen GPS Fix kriegt; oder der “schnurrende Wellensittich”, wenn der aktive Radarreflektor angepingt wird. Den Alarm den ich jetzt hörte, hatte ich allerdings noch nie gehört.

Drei kurze, leise Pieps. Danach nichts mehr. Der Autopilot, den ich vor ein paar Minuten eingeschaltet hatte, um das Cockpit aufzuräumen, fiel aus. Es ist das einzige Gerät an Bord ohne das nichts, aber auch rein gar nichts mehr funktioniert: Niemand kann 24 Stunden am Tag segeln. Kein Autopilot = kein Schlaf = schlechte Entscheidungen und langsames Segeln.

Ich hatte während eines Segelwechsels eine halbe Stunde vorher eine “kleine” 360° Drehung hingelegt. Nichts schlimmes, aber natürlich auch nicht schnell. Die 200 Meter, die ich dadurch verloren hatte, war ich gerade wieder am aufholen. Meine Vermutung war nun, dass das Manöver mich eine Sicherung gekostet hatte und der Autopilot keinen Strom mehr kriegte.

Im Auto kann man kurz das Lenkrad loslassen—auf einem Boot geht das auch: Auf der Autobahn grüßt nach ein paar Sekunden die Leitplanke, auf einem Boot der Wipeout. Ich hatte jeweils ungefähr 40 Sekunden bevor das Boot seine Spur verlor und drohte zu wenden.

Fehlersuche mit Schraubenzieher und Voltmeter. Bewegungsspielraum gleich Null.

Also, Boot trimmen, auf Kurs bringen, kurz warten, unter Deck sprinten, eine Schraube des Sicherungskasten öffnen, wieder an Deck sprinten, wiederholen. Nach ein paar dieser Trips hatte ich die Sicherung ausgewechselt, startete das System neu und drückte erwartungsvoll auf den AUTO Knopf.

Nix. Niente. Nada!

Ich segelte eine weitere halbe Stunde von Hand und überlegte krampfhaft wo das Problem noch liegen könnte. Ich zwängte mich in den Tunnel in dem das Rettungsfloß aufbewahrt wird, kontrollierte alle anderen Sicherungen, packte den Voltmeter aus. Das Boot segelte munter weiter und drohte alle paar Sekunden zu wenden. Das Problem fand ich leider nicht.

Es gab nun zwei Möglichkeiten: Aufgeben und nach Barcelona zurück segeln (40 Seemeilen). Oder weiter nach Menorca, durchziehen, das Rennen fertig segeln und die Qualifikationsmeilen verbuchen (260 Meilen). Ich entschied mich für letzteres!

Bei Menorca grüßte uns eine Flaute, die mir eine Möglichkeit gab wieder ein bisschen aufzuholen. Meine Rumpfform, wenige Stunden vorher noch ein Nachteil, war jetzt wieder von Vorteil: Kurz vor der Isla del Aire überholte ich zwei Boote und lag jetzt auf dem dritten Platz.

Danach folgten mehrere schlechte Entscheidungen. Ich war seit 36 Stunden wach, entschied mich gegen die Küste und segelte von Menorca weg. Sowohl der Druck als auch der Winddreher erwischten mich auf dem falschen Bug. Also kompensierte ich, halste hinter der Insel wieder zurück, hatte kurzzeitig wieder mehr Druck, freute mich, und segelte direkt weiter in den Windschatten. Rückblickend wäre die Küste die besser Wahl, um anschließend in der Beschleunigungszone der Insel weiter zu segeln.

Ich in Blau, Ignacio in Rot. Der Unterschied: Er segelt die ganze Zeit in der Beschleunigungszone der Insel und holt mich dort wieder ein.

Kurz vor Mitternacht starb der Wind komplett. Ohne Segeldruck rollte das Boot extrem, was sich nicht sehr gut mit meinen inzwischen 42 Stunden ohne Schlaf vertrug. Immer wieder nickte ich ein, schreckte wieder auf. Schnell ging eindeutig anders.

Ich verpasste den wichtigsten Winddreher des Rennens und konnte danach den Führenden nur noch hinterher segeln. Am Ende wurde daraus der vierte Platz, bzw. der fünfte Platz in der Gesamtwertung.

Das Podium vor mir ist wieder einmal ausgefüllt mit Booten die 10 Jahre moderner sind; der 1. Platz ging an das einzige Boot, dass den Mini Transat zwei Mal gewinnen konnte. Also, kein Grund zu Panik; weiter machen …

Bilanz des Rennens: Eine wichtiger Erfahrung, die leider gemacht werden musste. Ich weiß jetzt wie lange ich ohne Schlaf auskomme, worauf ich achten muss und welche Fehler unter Schlafmangel vermeidbar sind. Schlampige Halsen gehören dazu, aber auch das Vorhersagen von Winddrehern: Ein schnelles Aufmalen des Kurses und der vermeintliche Winddreher den ich offshore suchte hätten mir schnell deutlich gemacht, dass ich auf dem falschen Bug segelte.

Im Winter werde ich das elektrischen System überholen,um ich Zukunft Fehler auch an Bord reparieren zu können. Nächstes Jahr werde ich so früh wie möglich sowohl das letzte Quafikationsrennen als auch meine 1000 Seemeilen segeln.

Überstanden. 52 Stunden, 40 Minuten und 29 Sekunden ohne Autopilot und ohne Schlaf.