Mini Transat 2015 · Dominik Lenk

Vorbereitungen für den Transat: Ein kleiner Winterrückblick

Nach vier Monaten Winterarbeiten geht es mit der jetzt wieder los. Anfang Mai fahre ich nach Frankreich, um am Mini en Mai teilzunehmen, eine 500 Seemeilen lange Solo-Regatta und auch die letzte offizielle, die ich für eine erfolgreiche Qualifikation am Mini Transat benötige.

Ein kleiner Winterrückblick: Bis zum Jahreswechsel schliff ich den Rumpf komplett ab. Ich hatte mir bei meinem ersten Anlegemanöver einen schöne Rille in den Rump gezogen und nach zehn Jahren sah der Lack auch nicht mehr so großartig aus—vier Atlantiküberquerungen hinterlassen ihre Spuren.

An Neujahr trug ich in einer viel zu kalten Halle die erste Schicht Lack auf. Eine Woche später ging es bereits zu Boot Düsseldorf. Zu dem Zeitpunkt sah das Boot aus wie ein übermaltes Zebra. Als ich kurz nach Mitternacht in Düsseldorf ankam, stellte der Hallenmeister nur fest, dass hier normalerweise eigentlich neue Boote ausgestellt werden. Meine Antwort: Das wird noch! (Ich wollte die beheizte Messehalle ausnutzen.)

Bis um fünf Uhr morgens hatte ich die zweite Schicht Lack aufgetragen. Um 11 Uhr vormittags war das alte Antifouling zum Großteil entfernt, zumindest auf der Seite, die vom Gang sichtbar war. Um 3 Uhr mittags wurde das Boot vom Kiel abgehoben und nach einer weiteren Stunde stand es sicher auf einem knallorangenem Teppich. Am nächsten Tag entführte ich noch einen Steiger aus der Nebenhalle, stellte den Mast und trug eine letzte Schicht Lack auf—ganze 12 Stunden bevor die Messe am nächsten Tag eröffnete.

Ganze 9 Tage blieb ich auf der Messe und sprach über meine Kampagne, sowohl auf der Segel-Bühne nebenan als auch vor und auf dem Boot. Unter anderem ist dort ein Interview/Podcast mit Segel FM entstanden, dass Ihr Euch hier anhören könnt: http://www.segel.fm/?podcast=sfm-001-die-mini-transat

Auch nahm ich auf der Messe gleich mein Elektriksystem auseinander, dass mir während des letzten Qualifikationsrennen den Autopilot-Ausfall beschert hatte; testete meine Brennstoffzelle und stelle eine ziemlich lange Todo-Liste auf, denn eine frische, glatte Lackschicht auf dem Rumpf ist leider nur die halbe Miete.

Als nächstes waren frisches Antifouling, neue Winschen, neue Leinen (inklusive der Wanten) sowie eine Fallensstopper-Eigenkonstruktion dran. Letzteres “backte” ich unter der Heizung im Bad mithilfe einer Vakuumpumpe, die über Ebay aufgetrieben hatte.

Apropos Bad: Überhaupt sah meine gesamte Wohnung aus wie ein Schlachtfeld. Rettungsinsel, Essenspackete, Winschen, Kisten mit Karbonfasern, Methanol, Aceton und Wasserkanister, sowie genügend Medikamente für ein kleines Krankenhaus … der gesamte Inhalt des Bootes musste irgendwo untergebracht werden, um sortiert, gegebenenfalls ersetzt oder repariert zu werden.

Da mir die nötige Länge fehlte, wich ich irgendwann auf den Hausflur auf, um meine neuen Leinen zu spleißen, sehr zu Verwunderung der Nachbarn. Selbst ein 26m Fall kann so mit ein paar Umlenkrollen ganz gut ausgemessen werden.

Alles in allem hatte ich jede Schraube des Bootes diesen Winter mindestens einmal in der Hand, um die nötigen Werkzeuge für den Transat zusammenzustellen und eventuell Ersatzteile mitzunehmen.

Nebenbei wurde das Boot noch einmal gute 5kg leichter. Ist das wirklich nötig? Nein, aber es ist ein schöner Nebeneffekt. Bringt es einen Vorteil? Vielleicht!

Am Montag dem 5. Mai geht es ab La Trinité zum ersten Qualirennen los: 500 Meilen solo an der französischen Atlantikküste. Den Tracking Link poste ich demnächst.